Die Bilder wurden von der Feuerwehr Volketswil erstellt und dürfen nur für den Eigengebrauch verwendet werden.

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18.08.2017 - Der Sorgen-Bach

DER SORGEN-BACH

REGION: Am Montag war es wieder einmal so weit: Die Feuerwehr Vol- ketswil musste ausrücken. Ziel: Chimlibach. Grund: Gewässerver- schmutzung. Eine erdartige, braune Flüssigkeit fand sich im Ge- wässer, das in den letzten Monaten immer wieder Anlass zu Interven- tionen durch die Feuerwehr bot. «Der Bach ist bei uns gewissermas- sen Stammkunde», sagt Andreas Fritschi, Kommandant der Vol- ketswiler Feuerwehr. Besonders dramatisch war die Lage vor über einem Jahr, als ein Pestizid in den Bach austrat und den Tod von über 200 Fischen verursachte (wir be- richteten). «Über die zahlreichen Schächte gelangt häufig Regenwas- ser, so genanntes Meteorwasser, in den Bach. Dieses ist immer wieder kontaminiert, zum Beispiel mit Farbe», erklärt Fritschi.

Auch dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) ist der Chimlibach wohl bekannt. «Der Bach ist stark exponiert, die möglichen Verschmutzungsquellen sind sehr zahlreich», sagt Wolfgang Bollack, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion, zu der auch das Awel gehört. 

GEPLAGTES GEWÄSSER

REGION: Braune Flüssigkeit, weisse Verfärbungen, tote Fische: Der Chimlibach gab in den letzten Jahren immer wieder Anlass für Feuerwehreinsätze, Expertisen oder gar Strafverfahren. Die Gründe für die Verschmutzungen sind vielfältig.

Es war eine Nachricht, die nicht nur Fischer und Natur- freunde in der Region schockierte: Über 200 Fische, darunter Bachforellen und Seehechte, veren- deten im März 2016 im Volketswi- ler Chimlibach. Grund war ein Pflanzenschutzmittel, das ins Was- ser geraten war. Der der Öffentlich- keit unbekannte Verursacher wurde von der Staatsanwaltschaft See/ Oberland wegen Zuwiderhandlung gegen das Gewässerschutzgesetz mit einer bedingten Geldstrafe be- straft (wir berichteten).

Ein tragischer Einzelfall? Jein. Zwar kam es seit besagtem Vorfall nicht mehr zu einem vergleichbaren Fischsterben. Wegen Verschmut- zungen des Bachs ausrücken muss- ten die Feuerwehr, Experten des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) sowie der kanto- nale Fischereiaufseher aber immer wieder. «Im Jahr sind wir jeweils bis zu vier Mal beim Chimlibach», sagt Andreas Fritschi, Kommandant der Feuerwehr Volketswil.

WEISSE VERFÄRBUNGEN

Der jüngste Vorfall datiert vom ver- gangenen Montag. Zur Mittagszeit

wurde wegen einer braunen Flüs- sigkeit im Bach die Feuerwehr Vol- ketswil verständigt. Diese rückte aus, übergab in der Folge jedoch an die Schwerzenbacher Kollegen, da sich die Verschmutzung auf Schwerzenbacher Gemeindegebiet ereignete oder über eine Schwer- zenbacher Entwässerungsleitung in den Bach gelangte. Auch wurde, wie in solchen Fällen üblich, ein Experte des Awel beigezogen. «Über den Grund für die Ver- schmutzung können wir nur mut- massen. Es ist aber möglich dass eine Baustelle in der Nähe die Ursa- che war», sagt Fritschi. Fische seien gemäss seinem Kenntnisstand nicht zu Schaden gekommen. Fritschi und seine Kollegen muss- ten auch Ende Juni zum Chimli- bach ausrücken. Damals habe das Wasser auf der Höhe Maiacher in Volketswil weisse Verfärbungen aufgewiesen, Fische seien auch da nicht betroffen gewesen. «Wir tref- fen in solchen Fällen jeweils die ersten Massnahmen, installieren Auffangeinrichtungen oder stauen den Bach, falls dies nötig ist. Wich- tig ist, dass nichts in die Glatt fliesst», erklärt der Feuerwehrkom- mandant.

FREISPRUCH FÜR INDUSTRIE

Der Chimlibach ist rund sechs Ki- lometer lang. Er entspringt östlich des Volketswiler Siedlungsgebiets, durchfliesst die Gemeinden Vol- ketswil und Schwerzenbach und mündet in der Nähe von Fällanden in den Oberlauf der Glatt. «Das Einzugsgebiet des Chimlibachs in Volketswil ist sehr intensiv genutzt. Er fliesst mitten durch dichte Be- siedlung sowie durch Industrie- und Landwirtschaftsgebiet», sagt Wolfgang Bollack, Medienspre- cher der Baudirektion des Kantons Zürich, zu der auch das Awel ge- hört.

Die Industriebetriebe, die entlang des Bachs in grosser Zahl anzu- treffen sind, spricht Andreas Frit- schi indes weitgehend von Schuld frei: «Vor Jahren gab es im Umfeld einiger Unternehmen unterirdi- sche Baumängel, die ein Problem für den Bach waren», sagt er. «Diese Mängel wurden aber beho- ben und die Industrie stand schon lange nicht mehr am Ursprung von Bachverschmutzungen.»

HOFFEN AUF SENSIBILITÄT

Am häufigsten würden Kontami- nierungen im Bereich Maiacher/ Riedstrasse in Volketswil festge- stellt. Dies aber vor allem deshalb, weil der Bach dort für Passanten gut sichtbar sei, so Fritschi. Wolfgang Bollack sagt, dass «die Verschmutzungen der letzten Zeit nicht auf stets dieselben, sondern auf ganz unterschiedliche Ursa- chen» zurückzuführen seien. Er hofft allgemein auf eine höhere Sensibilität der Bevölkerung im Zusammenhang mit Gewässerver- schmutzungen. «Oft sind sich die Leute schlicht nicht bewusst was sie anrichten, wenn sie etwas in einen Abwasserschacht giessen», so Bollack. Benjamin Rothschild